Als Selbstständige trägst du dein Einkommen, deine Gesundheit und deinen Ruf komplett allein. Fehlt die richtige Absicherung, kann ein einziger Schadensfall oder eine längere Krankheit deine Existenz kosten. Dieser Leitfaden zeigt dir, welche Versicherungen für Selbstständige wirklich Pflicht sind, welche stark sinnvoll sind und welche du dir sparen kannst.
Viele Gründerinnen verschieben das Thema Versicherung, weil es unübersichtlich und teuer wirkt. Genau das ist der teuerste Fehler. Ohne Arbeitgeber gibt es keine automatische Absicherung im Hintergrund, keine Lohnfortzahlung und keine gesetzliche Erwerbsminderungsrente in relevanter Höhe. Du baust dieses Sicherheitsnetz selbst, und zwar bevor der Ernstfall eintritt. Die gute Nachricht: Mit einer klaren Reihenfolge und drei bis vier Policen deckst du die wirklich existenziellen Risiken bereits solide ab. Du musst nicht alles versichern, sondern das Richtige.
Drei Absicherungen stehen für Gründerinnen an erster Stelle: Krankenversicherung (gesetzliche Pflicht), Berufsunfähigkeitsversicherung (dein wichtigster Einkommensschutz) und eine Haftpflicht passend zu deiner Tätigkeit. Alles Weitere richtet sich nach Branche, Umsatz und Risiko. Beginne mit dem existenzbedrohenden Risiko, nicht mit dem billigsten Beitrag.
Welche Versicherungen brauchst du als Selbstständige wirklich?
Du brauchst drei Bausteine zwingend: eine Krankenversicherung, einen Schutz gegen den Verlust deiner Arbeitskraft und eine Haftpflicht, die zu deinem Beruf passt. Alle weiteren Policen ergeben sich aus deinem konkreten Geschäftsmodell und deinem Risiko.
Die Logik dahinter ist einfach: Versichere zuerst die Risiken, die dich ruinieren würden, nicht die, die am häufigsten eintreten. Ein kaputtes Notebook ersetzt du aus der Portokasse. Fällst du aber zwei Jahre wegen einer Erkrankung aus, ohne Einkommensschutz, ist dein Business weg. Deshalb gilt die Reihenfolge existenzbedrohend vor ärgerlich.
Grob lassen sich deine Policen in drei Gruppen einteilen. Erstens Personenschutz: Kranken-, Berufsunfähigkeits- und Pflegeabsicherung sowie die Altersvorsorge. Zweitens Haftungsschutz: Berufs- oder Betriebshaftpflicht und je nach Tätigkeit eine Vermögensschadenhaftpflicht. Drittens Sachschutz: Inhalts-, Elektronik- oder Cyberversicherung. Für die meisten Solo-Gründerinnen sind Gruppe eins und zwei entscheidend.
Dieser Artikel ersetzt keine individuelle Versicherungsberatung. Welche Policen und Deckungssummen für dich passen, hängt von deiner Branche, deinem Gesundheitszustand und deiner Familiensituation ab. Lass dich vor Abschluss von einer unabhängigen Versicherungsberaterin oder einem Honorarberater prüfen. Wir geben hier keine Produkt- oder Anlageempfehlung.
Was kostet die Berufshaftpflicht und wer braucht sie?
Eine Berufs- oder Betriebshaftpflicht sichert dich gegen Schäden ab, die du bei anderen verursachst. Die Beiträge starten bei rund 80 Euro im Jahr für risikoarme Bürotätigkeiten und steigen mit Umsatz, Mitarbeiterzahl und Deckungssumme. Für einige Berufe ist sie gesetzlich vorgeschrieben.
Verpflichtend ist die Berufshaftpflicht unter anderem für Rechtsanwältinnen, Steuerberaterinnen, Wirtschaftsprüferinnen, Aerztinnen, Architektinnen, Hebammen sowie für Immobilienverwalterinnen und Bewachungsunternehmen. Bei Vertragsärztinnen liegt die gesetzliche Mindestdeckung zum Beispiel bei 3 Millionen Euro je Versicherungsfall für Personen- und Sachschäden.
Wichtig ist die Unterscheidung der Policen. Die Betriebs- und Berufshaftpflicht deckt Personen-, Sach- und daraus folgende Vermögensschäden. Die reine Vermögensschadenhaftpflicht springt dagegen bei finanziellen Schäden ein, die ohne Personen- oder Sachschaden entstehen, etwa bei einer fehlerhaften Beratung. Berätst, planst oder programmierst du, ist der Vermögensschaden dein Kernrisiko. Alle Details, Deckungssummen und Kostenbeispiele findest du im Leitfaden zur Berufshaftpflicht für Selbstständige.
Warum ist die Berufsunfähigkeitsversicherung deine wichtigste Absicherung?
Die Berufsunfähigkeitsversicherung ersetzt dein Einkommen, wenn du deinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen dauerhaft nicht mehr ausüben kannst. Als Selbstständige hast du keine gesetzliche Erwerbsminderungsrente in nennenswerter Höhe, deshalb ist diese Police für dich existenziell.
Statistisch scheidet rund jede vierte Person vorzeitig aus dem Berufsleben aus, oft durch psychische Erkrankungen oder Erkrankungen des Bewegungsapparats, nicht durch Unfälle. Ohne Berufsunfähigkeitsschutz stehst du dann ohne Einkommen da, während deine Fixkosten weiterlaufen.
Die Beiträge richten sich nach Alter, Gesundheit und ausgeübtem Beruf. Junge Gründerinnen mit Bürotätigkeit starten häufig bei rund 40 bis 60 Euro im Monat, körperlich riskante Berufe zahlen deutlich mehr. Schließe die Police möglichst früh ab, denn mit jedem Jahr und jeder Diagnose steigen Beitrag und Ablehnungsrisiko. Wie du als Gründerin die passende Höhe und Laufzeit findest, liest du im Beitrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Gründerinnen.
Der häufigste Fehler bei der Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine zu niedrig gewählte Rente. Setze die monatliche BU-Rente so an, dass sie deine privaten Fixkosten plus Kranken- und Altersvorsorgebeiträge deckt. Als grobe Orientierung dienen 60 bis 80 Prozent deines Nettobedarfs. Eine Rente von 800 Euro klingt günstig, reicht im Ernstfall aber selten.
Wann lohnt sich eine Rechtsschutzversicherung?
Eine gewerbliche Rechtsschutzversicherung lohnt sich, sobald du regelmäßig mit Verträgen, Kundinnen und Forderungen arbeitest. Sie übernimmt Anwalts-, Gerichts- und Gutachterkosten bei Streitfällen. Die Beiträge für Selbstständige beginnen bei etwa 14 Euro im Monat oder rund 88 Euro im Jahr für schlanke Tarife.
Typische Streitfelder sind unbezahlte Rechnungen, Aerger mit Auftraggeberinnen, arbeitsrechtliche Konflikte mit Angestellten und Auseinandersetzungen mit Behörden oder dem Finanzamt. Ein einziger länger dauernder Prozess kann schnell mehrere tausend Euro kosten, was den Jahresbeitrag um ein Vielfaches übersteigt.
Für Solo-Selbstständige ohne Angestellte und mit wenigen, verlässlichen Kundinnen ist der Rechtsschutz eher optional. Sobald du Personal führst, hohe Auftragsvolumen abwickelst oder in einer streitanfälligen Branche arbeitest, gehört er in dein Grundpaket. Welche Bausteine sinnvoll sind und worauf du bei Wartezeiten achtest, steht im Ratgeber zur Rechtsschutzversicherung für Selbstständige.
Wie sicherst du dich im Krankheitsfall ab?
Die Krankenversicherung ist für alle in Deutschland Pflicht, auch für Selbstständige. Du wählst zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Zusätzlich solltest du eine Krankentagegeldversicherung abschließen, denn ohne Arbeitgeber gibt es keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.
In der gesetzlichen Krankenversicherung richtet sich dein Beitrag nach deinem Einkommen, gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze. Diese liegt 2026 bei 5.812,50 Euro im Monat. Verdienst du weniger, sinkt dein Beitrag entsprechend, ein Mindestbeitrag bleibt aber bestehen. Die private Krankenversicherung kalkuliert dagegen nach Alter, Gesundheit und Leistungsumfang, was in jungen Jahren günstig wirkt und im Alter teuer werden kann.
Entscheidend ist das Krankentagegeld. Fällst du krankheitsbedingt aus, zahlt es nach einer vereinbarten Karenzzeit einen festen Tagessatz und überbrückt so die Zeit bis zur Genesung oder bis die Berufsunfähigkeitsversicherung greift. Für Mütter lohnt zusätzlich der Blick auf die Krankenversicherung für selbstständige Mütter und den Mutterschutz für Selbstständige.
Wähle die Karenzzeit deines Krankentagegelds passend zu deiner Rücklage. Hast du einen soliden Notgroschen, kannst du eine längere Karenzzeit vereinbaren und sparst Beitrag, weil das Tagegeld erst später einsetzt. Ist dein Puffer dünn, sichere ab einem früheren Tag ab. So stimmst du Absicherung und Liquidität aufeinander ab, statt doppelt zu zahlen.
Wie baust du als Gründerin deine Altersvorsorge auf?
Als Selbstständige bist du in der Regel nicht automatisch rentenversichert und musst deine Altersvorsorge selbst organisieren. Setze auf eine Mischung aus flexibler Rücklage und langfristigem Vermögensaufbau, statt dich auf ein einziges Produkt zu verlassen.
Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Selbstständigen nicht, selbst wenn du freiwillig einzahlst. Sinnvoll ist ein breit gestreuter, langfristiger Aufbau über mehrere Bausteine, kombiniert mit einem Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto. So bleibst du liquide und baust parallel Vermögen auf.
Wichtig ist die Trennung von Absicherung und Geldanlage. Vermische Risikoschutz und Sparen nicht in einem intransparenten Kombiprodukt, sondern halte beides getrennt und vergleichbar. Welche Wege es für Gründerinnen konkret gibt und wie du Steuervorteile nutzt, erklärt der Beitrag zur Altersvorsorge für Gründerinnen. Eine konkrete Anlageempfehlung sprechen wir bewusst nicht aus, das gehört in eine unabhängige Beratung.
Welche Versicherungen kannst du dir sparen?
Verzichtbar sind für die meisten Solo-Gründerinnen alle Policen, die kleine, gut selbst tragbare Schäden absichern. Dazu zählen Handy-, Brillen- oder Elektronikversicherungen für einzelne Geräte. Diese Beiträge investierst du besser in deine Rücklage.
Die Faustregel lautet: Versichere nur Risiken, die du nicht aus eigener Kraft stemmen könntest. Ein Schaden von 500 oder 1.000 Euro tut weh, ruiniert dich aber nicht. Eine Haftungsforderung über 200.000 Euro oder ein zweijähriger Einkommensausfall dagegen schon. Genau dort gehört dein Versicherungsbudget hin.
Prüfe bestehende Verträge einmal im Jahr. Streiche Doppelungen, passe Deckungssummen an dein gewachsenes Business an und kündige, was du nicht mehr brauchst. Ordne deine Absicherung in dein Gesamtbild aus Steuern und Rechtsform ein, denn diese Themen hängen eng zusammen.
Worauf solltest du beim Abschluss einer Police achten?
Achte weniger auf den Preis als auf die Bedingungen. Entscheidend sind die Deckungssumme, die Ausschlüsse im Kleingedruckten, die Selbstbeteiligung und die Frage, ab wann und wie lange geleistet wird. Ein günstiger Beitrag mit Lücken kostet dich im Schadensfall mehr als ein solider Tarif.
Lies bei jeder Police drei Punkte genau. Erstens die versicherten Fälle, denn nur was ausdrücklich drinsteht, ist abgesichert. Zweitens die Ausschlüsse, die oft entscheidender sind als die Leistungsliste. Drittens die Summen, denn eine zu niedrige Deckung lässt dich im Ernstfall auf einem Teil des Schadens sitzen. Bei der Berufsunfähigkeit gehören zusätzlich der Verzicht auf abstrakte Verweisung und eine ausreichend lange Leistungsdauer bis zum Rentenbeginn zu den Pflichtkriterien.
Gib bei Gesundheitsfragen immer vollständig und wahrheitsgemäß an. Falsche oder unvollständige Angaben geben dem Versicherer im Leistungsfall das Recht, die Zahlung zu verweigern. Sammle vorab deine Vorerkrankungen und ärztlichen Unterlagen, damit dein Antrag sauber und rechtssicher ist.
Wie findest du unabhängige Beratung statt Verkauf?
Setze auf Beraterinnen, die dich nicht über Provisionen, sondern über ein Honorar vergütet. Honorarberatung und unabhängige Maklerinnen mit breitem Marktzugang liefern dir objektivere Empfehlungen als ein an eine Gesellschaft gebundener Vertreter, der nur eigene Produkte verkauft.
Frag vor dem Gespräch, wie die Beratung vergütet wird und welche Anbieter verglichen werden. Eine gute Beraterin analysiert zuerst deine Situation, dein Risiko und dein Budget und schlägt erst danach konkrete Lösungen vor. Verbraucherzentralen und spezialisierte Honorarberatungen sind ein guter Startpunkt, wenn du unabhängig vergleichen willst. Ordne die Kosten deiner Absicherung dabei in deine Einnahmen-Überschuss-Rechnung ein, denn viele Beiträge sind als Betriebsausgabe oder Sonderausgabe steuerlich absetzbar.
Meine Einschätzung
Wenn dein Budget knapp ist, sichere in dieser Reihenfolge ab: erst Krankenversicherung samt Krankentagegeld, dann Berufsunfähigkeit, dann die zu deinem Beruf passende Haftpflicht. Diese drei tragen im Ernstfall dein Business. Rechtsschutz, Cyber und Sachversicherungen folgen, sobald Umsatz und Risiko wachsen. Lieber drei richtig gewählte Policen als sieben halbherzige.
Welche Versicherungen sind für welche Phase sinnvoll?
In der Gründungsphase reichen meist drei Policen: Krankenversicherung, Berufsunfähigkeit und eine passende Haftpflicht. Mit wachsendem Umsatz, Team und Anlagevermögen kommen Rechtsschutz, Inhalts- und Cyberversicherung dazu. Passe deinen Schutz an deine Unternehmensgröße an.
Startest du nebenberuflich, kläre zuerst, ob deine bestehende Absicherung auch die selbstständige Tätigkeit abdeckt. Details dazu findest du im Beitrag zur Selbstständigkeit im Nebenberuf. Sobald du hauptberuflich gründest, wird die eigene, luckenlose Absicherung zur Pflicht.
- Pflicht ist die Krankenversicherung, ergänzt um Krankentagegeld gegen Verdienstausfall.
- Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist dein wichtigster Einkommensschutz, schließe sie früh ab.
- Eine Berufs- oder Betriebshaftpflicht braucht fast jede Selbstständige, für manche Berufe ist sie Pflicht.
- Rechtsschutz, Cyber und Sachpolicen folgen mit wachsendem Umsatz und Risiko.
- Kleine, selbst tragbare Schäden musst du nicht versichern, spare das Budget für existenzielle Risiken.
- Hol dir vor Abschluss unabhängige Beratung, dieser Leitfaden ersetzt sie nicht.
Häufige Fragen zu Versicherungen für Selbstständige
Welche Versicherung ist für Selbstständige gesetzlich Pflicht?
Gesetzlich verpflichtend ist die Krankenversicherung und die Pflegeversicherung für alle. Je nach Beruf kommt eine Pflicht-Berufshaftpflicht hinzu, etwa für Rechtsanwältinnen, Steuerberaterinnen, Aerztinnen, Architektinnen und Hebammen. Fuhrst du bestimmte Fahrzeuge oder Anlagen, gelten weitere Pflichtversicherungen.
Was kostet ein sinnvolles Versicherungspaket im Monat?
Das hängt stark von Alter, Beruf und Gesundheit ab. Als grobe Orientierung zahlen junge Solo-Gründerinnen für Berufsunfähigkeit rund 40 bis 60 Euro, für eine Haftpflicht ab etwa 7 Euro und für Rechtsschutz ab rund 14 Euro im Monat. Die Krankenversicherung kommt separat hinzu.
Gesetzliche oder private Krankenversicherung als Gründerin?
Beide haben Vor- und Nachteile. Die gesetzliche Krankenversicherung ist einkommensabhängig und familienfreundlich, die private kann bei jungem Alter und gutem Gesundheitszustand günstiger und leistungsstärker sein, wird im Alter aber oft teuer. Diese Entscheidung ist langfristig, lass sie unabhängig durchrechnen.
Brauche ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung, wenn ich gesund bin?
Gerade dann. Nur wer gesund ist, bekommt günstige Beiträge und volle Leistung ohne Ausschlüsse. Wartest du, bis erste Diagnosen vorliegen, wird die Police teuer oder du wirst abgelehnt. Frühzeitiger Abschluss sichert dir dauerhaft gute Konditionen.
Lohnt sich eine Betriebshaftpflicht auch für reine Onlinearbeit?
Ja, sobald du Kundenkontakt hast oder Ergebnisse ablieferst, die Schäden verursachen können. Bei reiner Beratung oder Programmierung ist die Vermögensschadenhaftpflicht meist wichtiger als die klassische Betriebshaftpflicht. Prüfe, welches Risiko in deiner Tätigkeit überwiegt.
Wie oft sollte ich meine Versicherungen überprüfen?
Einmal im Jahr und immer bei größeren Veränderungen wie Umsatzsprung, erster Anstellung, Umzug oder Familienzuwachs. Passe Deckungssummen an, streiche Doppelungen und prüfe, ob neue Risiken hinzugekommen sind. So bleibt dein Schutz aktuell, ohne dass du zu viel zahlst.


