Einen gesetzlichen Mutterschutz für Selbstständige gibt es in Deutschland auch im Oktober 2026 noch nicht. Das Mutterschutzgesetz gilt nur für Beschäftigte und einige gleichgestellte Gruppen, die Bundesregierung hat die versprochene Regelung bisher nicht als Gesetzentwurf vorgelegt. Abgesichert bist du deshalb nur über das, was du selbst organisierst: Mutterschaftsgeld in Höhe deines Krankengeldes, wenn du gesetzlich versichert bist und den Krankengeldanspruch gewählt hast, oder Krankentagegeld aus der privaten Krankenversicherung. Danach folgt das Elterngeld.
- Das Mutterschutzgesetz gilt für Selbstständige nicht. Ausnahme sind wirtschaftlich abhängige arbeitnehmerähnliche Personen, für die es mit Einschränkungen gilt.
- Freiwillig gesetzlich Versicherte mit Wahlerklärung zum Krankengeld bekommen Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes: 70 Prozent ihres beitragspflichtigen Einkommens, 2026 höchstens 135,63 Euro pro Tag. Die oft genannten 13 Euro pro Tag gelten für Angestellte.
- Privat Versicherte bekommen ihr Krankentagegeld auch während der Schutzfristen, wenn der Vertrag mindestens acht Monate vorher begonnen hat.
- Den Krankengeldschutz musst du vor der Schwangerschaft regeln. Wer erst mit positivem Test anruft, ist oft zu spät.
- Eine gesetzliche Lösung steht im Koalitionsvertrag. Ein Gesetzentwurf fehlt, auch der Entwurf zur Elterngeldreform enthält dazu nichts.
Stand: Oktober 2026
Gilt das Mutterschutzgesetz für selbstständige Frauen?
Nein. Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) gilt für Frauen in einer Beschäftigung, also im Kern für Arbeitnehmerinnen. Seit der Reform 2018 sind zusätzlich Auszubildende, Praktikantinnen, Schülerinnen und Studentinnen, Heimarbeiterinnen und arbeitnehmerähnliche Personen einbezogen (§ 1 Absatz 2 MuSchG). Für Unternehmerinnen, Freiberuflerinnen und Solo-Selbstständige mit mehreren Auftraggebern gilt es nicht.
Konkret heißt das: Für dich gibt es kein Beschäftigungsverbot in den sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt, keinen Kündigungsschutz gegenüber Kundinnen und keinen Arbeitgeberzuschuss zum Mutterschaftsgeld. Du darfst arbeiten, so viel du willst und kannst. Du trägst aber auch das volle Einkommensrisiko, und dein Betrieb läuft mit allen Fixkosten weiter, während du im Wochenbett liegst.
Ausnahme: arbeitnehmerähnliche Selbstständige
Arbeitest du überwiegend für einen einzigen Auftraggeber und bist wirtschaftlich von ihm abhängig, kannst du als arbeitnehmerähnliche Person gelten. Dann greift das Mutterschutzgesetz, allerdings ohne die Regelungen zum Mutterschutzlohn, zum Mutterschaftsgeld nach § 19 Absatz 2 und zum Arbeitgeberzuschuss (§ 1 Absatz 2 Nr. 7 MuSchG). Du bekommst also Gesundheitsschutz und Schutzfristen, aber kein Geld vom Auftraggeber. Ob du darunter fällst, ist eine Einzelfallfrage. Wer hier unsicher ist, sollte eine Fachanwältin für Arbeitsrecht fragen. Die Abgrenzung zur Scheinselbstständigkeit ist dabei gleich mit zu prüfen.
Welches Mutterschaftsgeld bekommen selbstständige Frauen?
Hier steckt der häufigste Irrtum zum Thema, und er findet sich auf vielen Ratgeberseiten. Der Betrag von höchstens 13 Euro pro Kalendertag gilt für Frauen, die bei Beginn der Schutzfrist in einem Arbeitsverhältnis stehen. Für alle anderen Mitglieder, also auch für selbstständige, wird das Mutterschaftsgeld in Höhe des Krankengeldes gezahlt (§ 24i Absatz 2 SGB V). Das kann deutlich mehr sein.
Gesetzlich versichert: nur mit Wahlerklärung
Hauptberuflich Selbstständige haben in der gesetzlichen Krankenversicherung von sich aus keinen Krankengeldanspruch. Den bekommst du nur, wenn du gegenüber deiner Krankenkasse eine Wahlerklärung abgibst (§ 44 Absatz 2 Nr. 2 SGB V). Du zahlst dann den allgemeinen Beitragssatz von 14,6 statt des ermäßigten von 14,0 Prozent plus Zusatzbeitrag. Laut Existenzgründungsportal des Bundeswirtschaftsministeriums sind das 2026 höchstens 34,88 Euro mehr im Monat. An die Wahlerklärung bist du drei Jahre gebunden.
Mit Wahlerklärung beträgt dein Mutterschaftsgeld 70 Prozent des Einkommens, nach dem deine Beiträge berechnet werden. Das ist dein Gewinn laut letztem Einkommensteuerbescheid, gedeckelt durch die Beitragsbemessungsgrenze. Das Höchstkrankengeld liegt 2026 bei 135,63 Euro pro Kalendertag. Gezahlt wird für die Schutzfristen nach dem Mutterschutzgesetz und den Entbindungstag, also in der Regel 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt, bei Früh- und Mehrlingsgeburten 12 Wochen danach.
Familienversicherte Frauen bekommen kein Mutterschaftsgeld von der Kasse. Wer neben dem Business noch über den Partner familienversichert ist, sollte das wissen.
Rechenbeispiel
Eine Übersetzerin hatte laut Steuerbescheid 36.000 Euro Gewinn, also 3.000 Euro im Monat oder 100 Euro pro Kalendertag. Sie ist freiwillig gesetzlich versichert und hat die Wahlerklärung abgegeben.
| Mit Wahlerklärung | Ohne Wahlerklärung | |
|---|---|---|
| Mutterschaftsgeld pro Tag | 70 Euro | 0 Euro |
| Schutzfrist (99 Kalendertage inkl. Entbindungstag) | rund 6.930 Euro | 0 Euro |
| Mehrbeitrag (ca. 0,6 Prozent von 3.000 Euro) | rund 18 Euro im Monat | 0 Euro |
Über drei Jahre Bindung kostet sie die Wahlerklärung damit rund 650 Euro, im Gegenzug sichert sie knapp 7.000 Euro Mutterschaftsgeld und bei längerer Krankheit Krankengeld ab der siebten Woche. Rechne deine eigenen Zahlen mit deiner Krankenkasse durch, die Satzungen unterscheiden sich in Details wie Wartezeiten.
Privat versichert: Krankentagegeld während der Schutzfristen
Für privat Versicherte gibt es kein Mutterschaftsgeld von der Kasse und auch nicht die 210 Euro vom Bundesamt für Soziale Sicherung. Diese Einmalzahlung steht nur angestellten Privatversicherten und Minijobberinnen ohne eigene gesetzliche Versicherung zu.
Dafür muss eine private Krankentagegeldversicherung seit einer Gesetzesänderung den Verdienstausfall während der Schutzfristen und am Entbindungstag ersetzen (§ 192 Absatz 5 VVG). Zwei Haken solltest du kennen: Nach den Musterbedingungen gilt eine Wartezeit von acht Monaten ab Vertragsbeginn, und die vereinbarte Karenzzeit, also die Zahl der Tage, bevor das Tagegeld fließt, gilt auch hier. Wer 42 Tage Karenz vereinbart hat, bekommt für die ersten sechs Wochen der Schutzfrist nichts. Mehr dazu, wie du GKV und PKV in dieser Lebensphase abwägst, steht im Beitrag zur Krankenversicherung als selbstständige Mutter.
Viele Selbstständige verzichten beim Start auf die Wahlerklärung, um Beiträge zu sparen, und merken die Lücke erst in der Schwangerschaft. Wenn ein Kind in den nächsten zwei Jahren denkbar ist, gehört die Frage auf deine Liste, bevor ihr es ernsthaft versucht. Lass dir von der Kasse schriftlich bestätigen, ab wann der Anspruch gilt.
Was plant die Politik beim Mutterschutz für Selbstständige?
Union und SPD haben im Koalitionsvertrag einen Mutterschutz für Selbstständige vereinbart. Familienministerin Karin Prien hatte angekündigt, Anfang 2026 einen Vorschlag vorzulegen, und später einen Gesetzentwurf für dieses Jahr in Aussicht gestellt. Stand Anfang Oktober 2026 gibt es keinen Entwurf. Der im Juli bekannt gewordene Referentenentwurf zur Elterngeldreform enthält keine Regelung dazu.
Diskutiert wird eine pauschale Leistung, die bei Bedarf aufgestockt werden kann. Offen ist vor allem die Finanzierung, denn anders als bei Angestellten gibt es keine Umlage, die Arbeitgeber füllen. Im Gespräch sind eine eigene Umlage oder Steuermittel. Das Bündnis „Mutterschutz für Alle!“ fordert, auch Betriebskosten wie Miete, Leasing und Versicherungen abzudecken, und hat am 6. Oktober 2026 vor dem Reichstag protestiert. Nordrhein-Westfalen hat zudem ein eigenes Umsetzungskonzept vorgelegt. Plane deine Absicherung trotzdem so, als käme nichts. Selbst wenn ein Gesetz beschlossen wird, dürfte es nicht rückwirkend für laufende Schwangerschaften gelten.
Wie planen selbstständige Frauen die Auszeit rund um die Geburt finanziell?
Drei Bausteine tragen die Zeit rund um die Geburt: Mutterschaftsgeld oder Krankentagegeld für die Schutzfristen, danach Elterngeld und dazwischen deine eigenen Rücklagen.
Mutterschaftsgeld oder Krankentagegeld deckt die rund 14 Wochen rund um die Geburt, wie oben beschrieben.
Elterngeld beträgt 65 bis 100 Prozent deines Nettoeinkommens aus dem letzten Steuerjahr vor der Geburt, mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Wichtig: Mutterschaftsgeld, das dir nach der Geburt zusteht, wird auf das Elterngeld angerechnet. Die ersten acht Wochen nach der Geburt zählen deshalb als verbrauchte Basiselterngeld-Monate, auch wenn in dieser Zeit kein zusätzliches Elterngeld fließt. Das gilt ebenso für Monate mit Krankentagegeld nach § 192 Absatz 5 VVG. Wie die Elterngeldstelle deinen Gewinn umrechnet, steht ausführlich im Beitrag zum Elterngeld für Selbstständige.
Rücklagen brauchst du für drei Dinge: die Lücke zwischen deinem bisherigen Einkommen und den Leistungen, die laufenden Betriebskosten und die Zeit, bis das Geschäft nach der Pause wieder anläuft. Eine pauschale Zahl kann dir niemand seriös nennen. Rechne lieber konkret.
Beispielrechnung für das erste Jahr
Die Übersetzerin von oben (Gewinn 36.000 Euro, freiwillig gesetzlich versichert mit Wahlerklärung, nicht rentenversicherungspflichtig) pausiert nach der Geburt zwölf Monate komplett. Ihr Elterngeld liegt bei rund 1.730 Euro im Monat.
- Mutterschaftsgeld, 6 Wochen vor der Geburt: rund 2.940 Euro
- Mutterschaftsgeld, 8 Wochen nach der Geburt plus Entbindungstag: rund 3.990 Euro. Diese Zeit wird auf das Elterngeld der ersten beiden Lebensmonate angerechnet.
- Elterngeld für die Lebensmonate 3 bis 12: 10 mal 1.730 Euro, also rund 17.300 Euro
- Zusammen über etwa 13,5 Monate: rund 24.200 Euro
Ihr Gewinn wäre im selben Zeitraum bei rund 40.500 Euro gelegen. Es fehlen also etwa 16.000 Euro, dazu kommen Fixkosten des Betriebs, die weiterlaufen, und ihr Beitrag zur Krankenversicherung, der auch in der Pause fällig ist. Wer diese Summe kennt, kann im Jahr davor gezielt zurücklegen und überlegen, welche Kundinnen in der Pause von einer Kollegin betreut werden. Wie du Liquidität planst, beschreibt der Beitrag zum Cashflow-Management für Selbstständige.
Kann eine Selbstständige während des Mutterschutzes weiterarbeiten?
Ja. Es gibt für dich kein Beschäftigungsverbot, du darfst also auch in den Wochen vor und nach der Geburt arbeiten. Das hat aber finanzielle Folgen.
Mutterschaftsgeld ruht, soweit und solange du beitragspflichtiges Arbeitseinkommen erzielst (§ 24i Absatz 4 SGB V). Wer in der Schutzfrist Aufträge abrechnet, riskiert, dass die Kasse für diese Zeit kürzt oder zurückfordert. Einmalige Zahlungen sind davon ausgenommen. Kläre vorher mit deiner Kasse, wie sie Zahlungseingänge aus Aufträgen behandelt, die du vor der Schutzfrist erledigt hast.
Beim Elterngeld darfst du bis zu 32 Wochenstunden arbeiten. Dein Gewinn in den Bezugsmonaten wird angerechnet, einen Freibetrag gibt es nicht. Wer in Teilzeit weiterarbeitet, fährt mit ElterngeldPlus meist besser.
Ganz unabhängig vom Geld: Die acht Wochen nach der Geburt gibt es für Angestellte nicht ohne Grund. Plane sie, wenn irgend möglich, als echte Pause ein. Eine Kollegin, die im Notfall E-Mails beantwortet, und eine Abwesenheitsnotiz mit klarem Rückkehrdatum sind oft mehr wert als jeder Laptop am Wochenbett.
Typische Fehler und Fallstricke
- Mit 13 Euro pro Tag rechnen und deshalb gar nichts beantragen. Für Selbstständige mit Wahlerklärung ist das Mutterschaftsgeld einkommensabhängig und oft um ein Vielfaches höher.
- Die Wahlerklärung zu spät abgeben. Manche Kassen sehen eine Wartezeit vor, das Existenzgründungsportal nennt bis zu drei Monate. In der PKV sind es acht Monate für das Krankentagegeld.
- Den Gewinn im Jahr vor der Geburt kleinrechnen. Er bestimmt dein Elterngeld und über den Steuerbescheid auch dein Mutterschaftsgeld.
- Annehmen, Mutterschaftsgeld und Elterngeld laufen parallel. Das Mutterschaftsgeld nach der Geburt wird vollständig angerechnet.
- Die Berufsunfähigkeitsversicherung für die Babypause halten. Eine normale Schwangerschaft ist kein Leistungsfall. Was eine BU leistet und was nicht, steht im Ratgeber zur Berufsunfähigkeitsversicherung für Gründerinnen.
Wie unterscheidet sich Mutterschutz für Selbstständige in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
| Land | Leistung für Selbstständige | Höhe und Dauer |
|---|---|---|
| Deutschland | Kein gesetzlicher Mutterschutz. Mutterschaftsgeld nur mit Krankengeld-Wahlerklärung (GKV) oder Krankentagegeld (PKV) | 70 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens, max. 135,63 Euro pro Tag (2026), rund 14 Wochen |
| Österreich | Wochengeld der SVS für gewerblich und freiberuflich Pflichtversicherte | Fester Tagessatz von 72,18 Euro (2026), 8 Wochen vor bis 8 Wochen nach der Geburt |
| Schweiz | Mutterschaftsentschädigung über die Erwerbsersatzordnung, auch für Selbstständige | 80 Prozent des Erwerbseinkommens, max. 220 Franken pro Tag, 98 Tage |
In Österreich ist das Wochengeld für Selbstständige grundsätzlich an eine Betriebshilfe geknüpft: Du musst eine zusätzliche Arbeitskraft für mindestens 20 Wochenstunden oder vier Tage pro Woche einsetzen. Ausnahmen gibt es, etwa wenn sich keine Hilfe findet, die Tätigkeit höchstpersönlich ist oder das Gewerbe ruhend gemeldet wird. In der Schweiz musst du in den neun Monaten vor der Geburt AHV-versichert gewesen sein und davon mindestens fünf Monate gearbeitet haben. Wer in den ersten 14 Wochen die Arbeit wieder aufnimmt, verliert den Rest des Anspruchs.
Häufige Fragen
Bekommen Selbstständige bei der Techniker Krankenkasse Mutterschaftsgeld?
Ja, wenn du dort freiwillig versichert bist und mit der Wahlerklärung den Krankengeldanspruch gewählt hast. Das gilt bei der TK wie bei allen gesetzlichen Kassen, weil der Anspruch im Gesetz steht. Unterschiede gibt es bei Wahltarifen, die Krankengeld schon früher zahlen.
Wann besteht kein Anspruch auf Mutterschaftsgeld?
Wenn du als Selbstständige gesetzlich ohne Krankengeldanspruch versichert bist, wenn du familienversichert bist oder wenn du privat versichert bist. Privat Versicherte können stattdessen Krankentagegeld bekommen, sofern der Tarif es vorsieht und die Wartezeit erfüllt ist.
Darf ich als Selbstständige im Mutterschutz arbeiten?
Rechtlich ja, weil für dich kein Beschäftigungsverbot gilt. Erzielst du in der Schutzfrist Arbeitseinkommen, ruht aber dein Mutterschaftsgeld in diesem Umfang.
Muss ich meine Schwangerschaft als Selbstständige irgendwo melden?
Eine Meldepflicht wie gegenüber einem Arbeitgeber gibt es nicht. Deiner Krankenkasse reichst du für das Mutterschaftsgeld das ärztliche Zeugnis mit dem voraussichtlichen Entbindungstermin ein, das Elterngeld beantragst du nach der Geburt.
Können Selbstständige Elternzeit nehmen?
Elternzeit ist ein Anspruch gegenüber einem Arbeitgeber und gilt deshalb nur für Angestellte. Als Selbstständige legst du deine Auszeit selbst fest. Elterngeld bekommst du trotzdem, solange du nicht mehr als 32 Wochenstunden arbeitest.
Wann kommt der Mutterschutz für Selbstständige?
Ein Termin steht nicht fest. Die Koalition hat die Regelung vereinbart, ein Gesetzentwurf lag Anfang Oktober 2026 aber noch nicht vor.


