Mentoring-Programme für Gründerinnen bringen dich für sechs bis zwölf Monate mit einer erfahrenen Unternehmerin zusammen, die dich ehrenamtlich oder gegen eine kleine Gebühr begleitet. In Deutschland gehören dazu das TWIN-Mentoring der Käte Ahlmann Stiftung (zwölf Monate, einmalig 300 Euro), das Push-Up Mentoring der Gründerinnenzentrale Berlin (sechs Monate, 256 Euro, Bewerbung bis 31. Oktober 2026) und EXIST Women an vielen Hochschulen, das zusätzlich ein Stipendium von bis zu 3.000 Euro im Monat zahlt. Wir haben alle Programme in dieser Übersicht im Oktober 2026 auf Existenz, Kosten und Fristen geprüft.
- Gute Mentoring-Programme dauern sechs bis zwölf Monate und arbeiten mit einer schriftlichen Zielvereinbarung zwischen Mentee und Mentorin.
- Für die Vorgründungsphase an Hochschulen: EXIST Women mit drei Monaten Stipendium, 2.000 Euro Sachmitteln und Mentorin.
- Für die ersten Jahre am Markt: Push-Up Mentoring in Berlin, mentoring4fempreneurs in Bonn/Rhein-Sieg, BPW-Mentoring für Mitglieder.
- Für etablierte Unternehmerinnen ab einem Jahr Selbstständigkeit: TWIN-Mentoring der Käte Ahlmann Stiftung, bundesweit.
- Das ursprüngliche Programm unter dem Namen we-female-founders war ein kostenloses EXIST-gefördertes Online-Programm der IU Internationale Hochschule. Es läuft heute nicht mehr.
Stand: Oktober 2026
Was war das we-Female-Founders-Programm?
Unter dieser Adresse lief früher die Programmseite von „How to become a Female Founder“. Das war ein kostenloses, sechsmonatiges Online-Programm für gründungsinteressierte Frauen, getragen von der IU Internationale Hochschule und ihren Partnern im Food Start-up Inkubator Weihenstephan (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, Strascheg Center for Entrepreneurship, StartinFOOD). Gefördert wurde es vom Bundeswirtschaftsministerium über das EXIST-Programm.
Die Teilnehmerinnen bekamen regelmäßige Workshops und Feedbackrunden per Zoom, aufgezeichnete Webinare zu Finanzierung, Recht, Selbstdarstellung und Vermarktung und am Ende einen Pitch Day vor Expertinnen. Die Referentinnen kamen aus Unternehmertum, Startup-Investment, Gründungsberatung, Marketing sowie Recht und Finanzen. Die zweite Runde startete im Februar 2022 mit Schwerpunkt nachhaltiges Gründen. Von November 2023 bis Oktober 2024 führte die IU das Konzept als „We Female Founders (weFF) goes EXIST Women“ weiter, mit Online-Terminen und Einzelcoaching durch eine Mentorin für die Stipendiatinnen.
In älteren Versionen dieses Artikels stand, das Programm sei von dena, Siemens Energy und Plug and Play initiiert worden. Dafür haben wir keinen Beleg gefunden, die Angabe war falsch. Ein eigenständiges Nachfolgeprogramm unter diesem Namen gibt es nicht. Wer heute etwas Ähnliches sucht, findet es vor allem bei EXIST Women und den Programmen unten.
Welche Mentoring-Programme für Gründerinnen gibt es 2026?
Die folgende Tabelle zeigt die Programme, deren aktuellen Stand wir belegen konnten. Kosten und Fristen ändern sich von Runde zu Runde, prüfe sie vor der Bewerbung auf der Programmseite.
| Programm | Für wen | Dauer | Kosten |
|---|---|---|---|
| EXIST Women | Frauen vor der Gründung mit Bezug zu einer teilnehmenden Hochschule | 12 Monate, davon 3 mit Stipendium | kostenlos, mit Stipendium |
| Push-Up Mentoring (Berlin) | Gründerinnen bis 3 Jahre am Markt | 6 Monate | 256 € |
| mentoring4fempreneurs (Bonn/Rhein-Sieg) | 1 bis 5 Jahre am Markt, Haupterwerb | ein Durchlauf pro Förderphase | laut Träger erfragen |
| BPW-Mentoring | Mitglieder eines BPW-Clubs | nach Vereinbarung | ehrenamtlich, Mitgliedsbeitrag |
| TWIN-Mentoring (Käte Ahlmann Stiftung) | Unternehmerinnen ab 1 Jahr Selbstständigkeit | 12 Monate | einmalig 300 € |
| TUM Female Founders | Gründerinnen aus der TU München | Einzelcoaching oder längere Begleitung | für TUM-Angehörige |
| FEMcademy (Kärnten, AT) | Gründerinnen und Unternehmerinnen | 8 Monate | bei FiW Kärnten erfragen |
| FF+ Accelerator (Schweiz) | Startup-Gründerinnen in der Schweiz | 10 Wochen | Community kostenlos |
EXIST Women: Mentoring plus Stipendium
EXIST Women ist ein Programm des Bundeswirtschaftsministeriums, das Hochschulen und Forschungseinrichtungen beantragen. Du bewirbst dich also nicht beim Bund, sondern beim Gründungsservice deiner Hochschule. Das Programm läuft zwölf Monate und kombiniert Workshops, Netzwerk und eine Mentorin aus der Praxis. Drei Monate davon kannst du ein Stipendium bekommen, wenn du in dieser Zeit kein Einkommen hast oder höchstens 20 Stunden pro Woche arbeitest:
- Studentinnen (mindestens die Hälfte des Studiums abgeschlossen): 1.000 Euro im Monat
- Frauen mit abgeschlossener Berufsausbildung: 2.000 Euro
- Hochschulabsolventinnen: 2.500 Euro
- Promovierte: 3.000 Euro
- plus 150 Euro je Kind und bis zu 2.000 Euro Sachmittel für Coaching, Fahrtkosten oder Veranstaltungen
Die Bewerbungsfristen legt jede Hochschule selbst fest, an der TU Dresden war es für 2026 zum Beispiel der 30. März. Wichtig: Dein Unternehmen darf vor Programmbeginn noch nicht gegründet sein. Die Förderrichtlinie zu EXIST Women gilt bis Ende 2028, Hochschulen können bis 30. September 2027 Anträge stellen. Wer schon weiter ist und ein technologiebasiertes Vorhaben hat, schaut sich danach das EXIST-Gründerstipendium an.
Push-Up Mentoring der Gründerinnenzentrale Berlin
Die Gründerinnenzentrale vermittelt seit 2007 Tandems zwischen Gründerinnen und erfahrenen Unternehmerinnen. Bewerben können sich Gründerinnen und Selbstständige, die höchstens drei Jahre am Markt sind. Du bekommst sechs Monate Begleitung, ein moderiertes Treffen mit den anderen Mentees und eine Vorstellung in den Kanälen der Gründerinnenzentrale. Vor dem Matching gibt es ein Kennenlerngespräch per Zoom. Die Teilnahme kostet 256 Euro, für Genossenschafterinnen der WeiberWirtschaft ist sie kostenlos. Die aktuelle Bewerbungsfrist endet am 31. Oktober 2026.
TWIN-Mentoring der Käte Ahlmann Stiftung
Das TWIN-Mentoring (TwoWomenWin) feiert 2026 sein 25-jähriges Bestehen und ist das bekannteste bundesweite Programm für Unternehmerinnen. Es richtet sich nicht an Frauen vor der Gründung, sondern an Unternehmerinnen, die mindestens ein Jahr selbstständig sind und auf Wachstum umstellen, eine Nachfolge antreten oder nach Jahren neue Impulse suchen. Eine erfahrene Geschäftsfrau begleitet dich zwölf Monate ehrenamtlich. Die Stiftung wählt die Mentorin bewusst aus einer anderen Branche aus. Als Faustregel nennt sie ein Kennenlerntreffen und vier persönliche Treffen im Jahr, dazu Kontakt zwischendurch. Es fällt eine einmalige Verwaltungspauschale von 300 Euro an.
BPW-Mentoring
BPW Germany bietet seinen Mitgliedern ein ehrenamtliches Mentoring. Du formulierst ein Ziel, das Matching-Team auf Club- oder Bundesebene sucht eine passende Mentorin aus einem Pool von Unternehmerinnen und Angestellten, und ihr haltet eure Zusammenarbeit in einer Vereinbarung fest. Weil BPW international vernetzt ist, sind auch Mentorinnen aus anderen Ländern möglich. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in einem der 28 deutschen Clubs.
Regionale Programme
Viele gute Angebote sind lokal. Das Kompetenzzentrum Frau und Beruf Bonn/Rhein-Sieg etwa vernetzt mit mentoring4fempreneurs Unternehmerinnen, die seit ein bis fünf Jahren im Haupterwerb selbstständig sind, mit erfahrenen Unternehmerinnen der Region. Der zweite Durchlauf hat im Juli 2026 begonnen. Ähnliche Programme gibt es bei Wirtschaftsförderungen, Kammern und Gründerinnenberatungen in anderen Städten. Am schnellsten findest du sie über die Datenbank im Netzwerkportal der bundesweiten gründerinnenagentur, die du nach „Mentoring“ und Region filtern kannst. Weitere Anlaufstellen haben wir in unserer Übersicht der Female-Founders-Netzwerke im DACH-Raum zusammengestellt.
In Österreich bietet Frau in der Wirtschaft Kärnten mit der FEMcademy ein achtmonatiges Mentoring für Gründerinnen und Unternehmerinnen. Die Bewerbungsfrist der letzten Runde lag im Oktober 2025, die nächste wird auf der Seite der WKO Kärnten bekanntgegeben. In der Schweiz ist der zehnwöchige FF+ Accelerator der Female Founders Initiative Switzerland die naheliegende Anlaufstelle für Startup-Gründerinnen.
Hochschulprogramme
Studierst oder arbeitest du an einer Hochschule, lohnt der Blick ins dortige Gründungszentrum. Die TU München etwa bietet unter TUM Female Founders einen Pool aus erfahrenen Gründerinnen und Geschäftsfrauen, die für Einzelcoachings und längere Begleitung zur Verfügung stehen, dazu Summer School und Netzwerkevents. Vergleichbare Angebote gibt es an vielen Universitäten, oft im Rahmen von EXIST Women.
Was unterscheidet ein gutes von einem schwachen Mentoring-Programm?
Die Marke des Programms sagt wenig darüber, ob es dir hilft. Achte auf diese Punkte:
- Wer sind die Mentorinnen? Idealerweise Frauen, die selbst ein Unternehmen führen oder geführt haben. Theoretisches Wissen ohne unternehmerische Praxis hilft im Mentoring wenig.
- Gibt es ein Matching-Gespräch? Seriöse Programme prüfen vorher, was du brauchst, und suchen gezielt aus. Wenn dir einfach eine Liste geschickt wird, ist das eher ein Verzeichnis als ein Programm.
- Wird eine Vereinbarung geschlossen? TWIN, BPW und Push-Up arbeiten mit schriftlichen Vereinbarungen oder Zielformulierungen. Das klingt bürokratisch, verhindert aber, dass nach drei Treffen niemand mehr weiß, worum es eigentlich ging.
- Passt die Laufzeit? Sechs bis zwölf Monate sind üblich. Kürzere Formate sind eher Coaching oder Accelerator.
- Ist es wirklich Mentoring? Die Gründerinnenzentrale unterscheidet klar: Mentoring ist längerfristiger Austausch mit einer erfahrenen Unternehmerin zur Reflexion. Coaching ist eine zeitlich begrenzte, methodische Begleitung zu konkreten Fragen. Training ist Wissensvermittlung. Wenn du eine konkrete Fachfrage hast, etwa zur Finanzierung, ist eine geförderte Beratung oft der direktere Weg. Wie das geht, steht in unserem Artikel zur BAFA-Beratungsförderung.
So bewirbst du dich für ein Mentoring-Programm
- Phase klären. Vor der Gründung, erste Jahre oder Wachstum? Davon hängt ab, welches Programm überhaupt infrage kommt. TWIN zum Beispiel setzt mindestens ein Jahr Selbstständigkeit voraus.
- Ziel formulieren. „Ich möchte mich austauschen“ reicht nicht. Besser: „Ich will in den nächsten sechs Monaten meine Preise neu aufstellen und die ersten zwei Firmenkunden gewinnen.“
- Stand belegen. Beschreibe kurz, was du schon getan hast: erste Kundinnen, Umsatz, Prototyp, Gespräche. Ein knappes Konzept oder ein Businessplan hilft, ist aber selten Pflicht.
- Programm-Fit erklären. Warum genau dieses Programm? Eine Bewerbung, die sichtbar für fünf Programme gleichzeitig geschrieben wurde, fällt auf.
- Frist und Formular prüfen. Bei Push-Up lädst du ein Formular herunter und schickst es per Mail, bei EXIST Women läuft die Bewerbung über die Hochschule, bei TWIN über einen Bewerbungsbogen der Stiftung.
Typische Fehler im Mentoring
- Ohne Vorbereitung in Treffen gehen. Die Mentorin investiert ihre Freizeit. Wer mit drei konkreten Fragen und dem Stand seit dem letzten Treffen kommt, bekommt deutlich mehr zurück.
- Die Mentorin als kostenlose Beraterin sehen. Sie gibt Erfahrung und Perspektive weiter, schreibt dir aber nicht den Businessplan oder prüft den Vertrag.
- Zu lange in einem Tandem bleiben, das nicht passt. Wenn die Chemie nach zwei, drei Treffen nicht stimmt, sprich die Programmleitung an. Die meisten Programme kennen das und suchen neu.
- Mehrere Programme parallel. Zwei Mentorinnen mit widersprüchlichen Ratschlägen gleichzeitig verwirren mehr, als sie helfen. Erst eins abschließen, dann das nächste.
- Nach dem Ende den Kontakt abbrechen. Viele Mentorinnen freuen sich, wenn du dich später meldest und erzählst, was aus den Plänen geworden ist. Die Käte Ahlmann Stiftung sagt ausdrücklich, dass nichts gegen Kontakt nach Programmende spricht, wenn die Mentorin einverstanden ist.
Häufige Fragen
Welche Mentoring-Programme gibt es für Frauen in der Gründung?
Bundesweit vor allem das TWIN-Mentoring der Käte Ahlmann Stiftung, das BPW-Mentoring für Mitglieder und EXIST Women an Hochschulen. Dazu kommen regionale Programme wie Push-Up in Berlin oder mentoring4fempreneurs in Bonn/Rhein-Sieg. Die Datenbank der bundesweiten gründerinnenagentur zeigt Angebote in deiner Region.
Ist Mentoring für Gründerinnen kostenlos?
Die Mentorinnen arbeiten in den meisten Programmen ehrenamtlich. Gebühren fallen trotzdem teilweise an, etwa 300 Euro Verwaltungspauschale bei TWIN oder 256 Euro bei Push-Up. EXIST Women ist kostenlos und zahlt sogar ein Stipendium. Kommerzielle Einzel-Mentorings kosten deutlich mehr.
Was ist der Unterschied zwischen Mentoring und Gründercoaching?
Mentoring ist ein längerfristiger Austausch mit einer erfahrenen Unternehmerin, meist ehrenamtlich. Coaching ist eine bezahlte, methodische Begleitung zu konkreten Fragen über einen begrenzten Zeitraum. Für Fachfragen eignet sich eine geförderte Beratung oft besser.
Wie lange dauert ein Mentoring-Programm?
Meist sechs bis zwölf Monate. Push-Up läuft sechs Monate, TWIN und EXIST Women zwölf Monate, die FEMcademy in Kärnten acht Monate.
Kann ich mich für EXIST Women bewerben, wenn ich nicht studiert habe?
Ja, wenn du eine abgeschlossene Berufsausbildung hast und eine teilnehmende Hochschule dich aufnimmt. Das Stipendium beträgt dann 2.000 Euro im Monat für drei Monate. Frag beim Gründungsservice der Hochschule in deiner Nähe, ob sie teilnimmt und welche Voraussetzungen sie stellt.


