Ein gutes Gründerinnen-Netzwerk bringt dir drei Dinge, die du allein schwer bekommst: Kontakte zu Kundinnen und Kooperationspartnerinnen, ehrliches Feedback von Frauen, die zwei Schritte weiter sind, und im Startup-Bereich den Zugang zu Kapital. Im DACH-Raum gibt es dafür kostenlose Anlaufstellen wie die bundesweite gründerinnenagentur, Mitgliedsverbände wie den VdU oder BPW und Startup-Netzwerke wie encourage ventures oder Female Founders in Wien. Wir haben alle zwölf Netzwerke in dieser Liste im Oktober 2026 auf ihren aktuellen Stand geprüft.
- Laut Female Founders Monitor 2025 sind nur 18,8 Prozent der Startup-Gründenden in Deutschland Frauen, rund 91 Prozent des Wagniskapitals fließen an reine Männerteams.
- Für den Einstieg kostenlos: Netzwerkportal der bga, Lean In Circles, Female Founders Initiative Switzerland, Beratungs- und Mentoringangebote wie die Gründerinnenzentrale Berlin.
- Verbände wie VdU, BPW oder EWMD lohnen sich eher, wenn dein Unternehmen läuft und du Kontakte auf Entscheiderinnen-Ebene suchst.
- Wer Kapital sucht, ist bei Investorinnen-Netzwerken wie encourage ventures besser aufgehoben als in allgemeinen Business-Clubs.
- Ein Netzwerk, in dem du regelmäßig auftauchst, bringt mehr als fünf Mitgliedschaften, die nur im Lebenslauf stehen.
Stand: Oktober 2026
Warum sind Netzwerke für Gründerinnen relevant?
Netzwerke ersetzen kein Geschäftsmodell. Sie gleichen aber einen Nachteil aus, den Gründerinnen in Deutschland messbar haben. Der Female Founders Monitor 2025 von Startup-Verband und Bertelsmann Stiftung zeigt: Der Frauenanteil unter Startup-Gründenden ist auf 18,8 Prozent gesunken, zum ersten Mal seit Jahren. Rund 91 Prozent des Risikokapitals gehen an Teams ohne Frau. Die Autorinnen empfehlen ausdrücklich, Investorennetzwerke vielfältiger zu machen, weil Kapital oft über persönliche Bekanntschaft fließt.
Das gilt nicht nur für Startups mit Investorensuche. Auch Coaches, Designerinnen oder Handwerksbetriebe gewinnen einen großen Teil ihrer Aufträge über Empfehlungen. Wer in den ersten Jahren niemanden kennt, der sie empfiehlt, akquiriert mühsamer. Dazu kommt ein weicher Faktor, den viele unterschätzen: Austausch mit Frauen, die dieselben Fragen schon hinter sich haben, etwa wie man Selbstständigkeit und kleine Kinder organisiert oder wie man zum ersten Mal einen Preis durchsetzt.
Welche 12 Netzwerke für Gründerinnen gibt es im DACH-Raum?
Die Auswahl deckt bundesweite Anlaufstellen, Berufsverbände, Startup-Netzwerke und Angebote in Österreich und der Schweiz ab. Netzwerke, die in früheren Versionen dieses Artikels standen und deren Fortbestand wir nicht mehr belegen konnten, haben wir entfernt.
Kostenlose Anlaufstellen und Communities
1. bundesweite gründerinnenagentur (bga). Die bga ist seit 2004 aktiv und betreibt ein Netzwerkportal mit einem Veranstaltungskalender und einer Datenbank, in der du Beratungsstellen, Expertinnen und Netzwerke nach Region, Branche und Thema filtern kannst. Dazu gibt es die Trainings-App Kite für Gründerinnen. Für den Start ist das die beste Übersicht über Angebote in deiner Nähe.
2. Lean In Circles. Lean In organisiert kleine Peer-Gruppen, die sich regelmäßig treffen und mit strukturierten Leitfäden an beruflichen Zielen arbeiten. In Deutschland gibt es Circles unter anderem in Frankfurt. Die Gruppen sind karriereorientiert und nicht speziell auf Gründung ausgerichtet, dafür kostenlos und niedrigschwellig. Gibt es keinen Circle in deiner Stadt, kannst du selbst einen starten.
3. FRAUEN unternehmen. Die Initiative des Bundeswirtschaftsministeriums vernetzt Vorbild-Unternehmerinnen, die in Schulen und bei Veranstaltungen von ihrem Weg erzählen. Sie wird gerade neu aufgestellt: Im September 2026 hat das Ministerium die Geschäftsstelle neu ausgeschrieben, künftig sollen mehr Unternehmerinnen aus Handwerk, MINT, KI und Unternehmensnachfolge dazukommen. Wer schon ein paar Jahre am Markt ist und Sichtbarkeit sucht, kann sich hier als Vorbild engagieren.
Verbände und Mitgliedsnetzwerke
4. Verband der Unternehmerinnen in Deutschland (VdU). Der VdU ist der traditionsreichste Unternehmerinnenverband in Deutschland, mit Landesverbänden von Baden bis Mecklenburg-Vorpommern. Er macht politische Interessenvertretung, vergibt den she succeeds award für Nachfolgerinnen und organisiert Business-Lunches und Tea Times vor Ort. Interessentinnen können den Verband sechs Monate lang kostenlos kennenlernen. Die Mitgliedschaft ist an Voraussetzungen geknüpft, die in der Mitgliedsordnung auf der Website stehen.
5. BPW Germany (Business and Professional Women). BPW Germany ist der Dachverband von 28 Clubs mit mehr als 1.600 Mitgliedern, unter anderem in Berlin, Hamburg, Köln, München und Stuttgart. Der Verband richtet sich an Unternehmerinnen und berufstätige Frauen gleichermaßen, bietet ein Mentoring-Programm und eine eigene Sparte für Selbstständige und Gründerinnen. Bekannt ist er vor allem als Initiator des Equal Pay Day in Deutschland.
6. EWMD (European Women’s Management Development). Das EWMD ist ein europäisches Netzwerk für Frauen in Management und Unternehmertum mit eigenen Chaptern in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Schwerpunkt liegt auf Führung und Organisationsentwicklung. Für Gründerinnen, die B2B-Kundschaft in Konzernen suchen, kann das interessanter sein als ein reines Startup-Netzwerk.
7. Zonta. Zonta International ist ein Service-Club berufstätiger Frauen mit Clubs in vielen deutschen Städten. Die Clubs engagieren sich vor allem für Frauenrechte und Bildungsprojekte, das Netzwerken passiert eher nebenbei. Aufgenommen wird man in der Regel auf Einladung bestehender Mitglieder. Für die Kundengewinnung ist Zonta nicht gedacht, für langfristige Kontakte in der regionalen Wirtschaft aber eine Option.
Startup-Netzwerke und Kapitalzugang
8. encourage ventures. encourage ventures versteht sich als Investorinnen-Netzwerk für Gründerinnen und gemischte Teams. Startups können sich registrieren und werden Business Angels vorgestellt, außerdem gibt es eine Founder Challenge und Ausbildungsformate für Frauen, die selbst investieren wollen. Das große Jahrestreffen Courage’26 findet am 11. November 2026 im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart statt. Wer eine Finanzierungsrunde vorbereitet, sollte vorher das Pitch Deck für Investorinnen sauber aufgesetzt haben.
9. Female Founders (Wien). Female Founders ist eine der bekanntesten Plattformen für Tech-Gründerinnen im deutschsprachigen Raum. Das Angebot umfasst das Female Founders Bootcamp, einen vierwöchigen hybriden Accelerator für Startups in der Frühphase, und die Female Founders Experience, ein kuratiertes Treffen mit rund 120 Gründerinnen, Investorinnen und Führungskräften, für das man sich bewerben muss.
10. Munich Startup. Die offizielle Startup-Plattform für München ist kein reines Frauennetzwerk, bündelt aber Events, Förderaufrufe und Investoren der Region, darunter regelmäßig Formate für Gründerinnen wie die Female Founders Experience Munich am 13. Oktober 2026. Für Gründerinnen in Süddeutschland ist der Eventkalender ein guter Startpunkt.
Regionale Schwerpunkte in Berlin und der Schweiz
11. Gründerinnenzentrale und WeiberWirtschaft Berlin. Die Gründerinnenzentrale berät Gründerinnen in Berlin, organisiert Gründerinnenfrühstücke und das Push-Up Mentoring: sechs Monate Begleitung durch eine erfahrene Unternehmerin für Frauen, die höchstens drei Jahre am Markt sind. Sie ist die Schwesterorganisation der WeiberWirtschaft, die nach eigenen Angaben das größte Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrum Europas betreibt.
12. Female Founders Initiative Switzerland. Die Initiative wird vom Impact Hub Zürich mit der ZHAW und Innosuisse getragen. Die Mitgliedschaft ist kostenlos und umfasst eine WhatsApp-Community, monatliche Online-Sessions, eine Vorlagen-Bibliothek und den Eintrag in die Female Founders Map, auf der mehr als 600 Gründerinnen stehen. Dazu kommt ein zehnwöchiges Accelerator-Programm.
In Österreich lohnt zusätzlich ein Blick auf Frau in der Wirtschaft, die Unternehmerinnen-Organisation der Wirtschaftskammer. Wer dort ein Gewerbe anmeldet, findet in jedem Bundesland eine Ansprechpartnerin und regelmäßige Netzwerkveranstaltungen.
Wie wählst du das richtige Netzwerk aus?
Drei Fragen helfen bei der Auswahl: In welcher Phase bist du, wie wichtig ist dir persönlicher Kontakt vor Ort, und was genau soll das Netzwerk dir bringen?
| Deine Situation | Passende Netzwerke |
|---|---|
| Idee, noch nicht gegründet | bga-Netzwerkportal, regionale Gründerinnenberatung, Lean In Circle |
| Erste ein bis drei Jahre, Solo-Selbstständigkeit | Mentoring der Gründerinnenzentrale oder regionaler Stellen, BPW-Club vor Ort |
| Tech-Startup mit Finanzierungsbedarf | encourage ventures, Female Founders (Wien), Female Founders Initiative Switzerland, Munich Startup |
| Etabliertes Unternehmen, Nachfolge, Mitarbeitende | VdU, EWMD, Frau in der Wirtschaft (AT) |
| Sichtbarkeit und Engagement | FRAUEN unternehmen, Zonta |
Online-Communities funktionieren unabhängig vom Wohnort und sind gut, um Fragen schnell loszuwerden. Für Aufträge und Kooperationen sind regionale Treffen meist ergiebiger, weil Vertrauen bei einem Kaffee schneller entsteht als in einem Chat. Viele Gründerinnen fahren gut mit einer Kombination: eine Online-Community für den Alltag, ein Format vor Ort für Kontakte. Wer zusätzlich gezielt eine erfahrene Begleiterin sucht, findet in unserer Übersicht zu Mentoring-Programmen für Female Founders die passenden Programme.
Typische Fehler beim Netzwerken
- Zu viele Mitgliedschaften auf einmal. Vier Netzwerke parallel heißt meistens: in keinem richtig präsent. Starte mit einem, gib ihm ein halbes Jahr und entscheide dann.
- Nur nehmen wollen. Netzwerke leben davon, dass Mitglieder Kontakte vermitteln, Wissen teilen und Veranstaltungen mitgestalten. Wer beim ersten Treffen sein Angebot verteilt, wird höflich angelächelt und vergessen.
- Das falsche Netzwerk für das Ziel. Ein Service-Club ist nicht für die Kundenakquise da, ein Startup-Accelerator nicht für Solo-Coaches ohne Wachstumsplan. Prüfe vorher, wer dort wirklich sitzt.
- Keine eigene Vorstellung parat. Übe zwei Sätze, die sagen, was du machst und für wen. Wie du das ohne Floskeln hinbekommst, steht in unseren Pitch-Tipps für Female Founders.
- Kosten nicht vergleichen. Neben Mitgliedsbeiträgen fallen Eventtickets, Fahrten und Zeit an. Frag vor dem Beitritt nach der Beitragsordnung und rechne aus, wie viele Treffen du realistisch schaffst.
Welche Online-Plattformen ergänzen klassische Netzwerke?
Neben organisierten Netzwerken spielt sich viel Austausch auf Plattformen ab, die du ohnehin nutzt:
- LinkedIn: Für B2B-Gründerinnen der wichtigste Kanal. Neben Gruppen lohnt es sich, gezielt Beiträge von Gründerinnen aus deiner Branche zu kommentieren. Daraus entstehen oft mehr Gespräche als aus Gruppenmitgliedschaften.
- Eventplattformen wie Meetup, Eventbrite oder Luma: Eine Suche nach „Female Founders“ oder „Gründerinnen“ plus Stadtname zeigt lokale Treffen, oft kostenlos oder mit kleinem Ticketpreis.
- Instagram: Eher für Sichtbarkeit und Inspiration als für Geschäftskontakte. Für B2C-Gründerinnen mit visuellen Produkten trotzdem ein guter Ort, um Kooperationspartnerinnen zu finden.
Für Mütter in der Selbstständigkeit gibt es außerdem viele kleinere, oft lokale Gruppen. Ein Überblick über Themen, die Mompreneurs bewegen, steht in unserem Mompreneur-Leitfaden.
Häufige Fragen
Gibt es kostenlose Netzwerke für Gründerinnen?
Ja. Das Netzwerkportal der bga, die Lean In Circles und die Female Founders Initiative Switzerland sind kostenlos. Auch viele regionale Gründerinnenberatungen, etwa die Gründerinnenzentrale in Berlin, bieten kostenlose Veranstaltungen an. Mitgliedsverbände wie VdU oder BPW erheben Beiträge.
Wie finde ich ein Gründerinnen-Netzwerk in meiner Stadt?
Am schnellsten über die Datenbank im Netzwerkportal der bga, die nach Region filtert. In einigen Bundesländern gibt es eigene Anlaufstellen, etwa jumpp in Hessen oder Frau und Arbeit in Hamburg. Zusätzlich hilft die Suche auf Eventplattformen mit Stadtname.
Warum sind Frauennetzwerke wichtig?
Weil Aufträge, Empfehlungen und Kapital häufig über persönliche Kontakte vergeben werden und Frauen in vielen klassischen Wirtschaftsnetzwerken unterrepräsentiert sind. Der Female Founders Monitor 2025 empfiehlt deshalb ausdrücklich, Investorennetzwerke vielfältiger zu machen.
Sind Netzwerke auch sinnvoll, wenn ich noch nicht gegründet habe?
Ja, gerade dann. Viele Anlaufstellen wie die bga oder regionale Gründerinnenberatungen richten sich ausdrücklich an Frauen in der Orientierungsphase. Dort bekommst du ehrliche Rückmeldungen zur Idee, bevor du Geld investierst.
Was kostet eine Mitgliedschaft in einem Unternehmerinnenverband?
Das hängt vom Verband und oft von der Unternehmensgröße ab. Die Beitragsordnungen stehen meist auf den Websites, beim VdU zum Beispiel als PDF. Rechne zusätzlich mit Kosten für Veranstaltungen und Anfahrt.


