Mentoring-Programme für Female Founders verbinden erfahrene Unternehmerinnen mit Gründerinnen in der Aufbauphase. Das ursprüngliche we-Female-Founders-Programm — initiiert von der Deutschen Energie-Agentur (dena), Siemens Energy und Plug and Play — legte den Maßstab für strukturiertes Gründerinnen-Mentoring im DACH-Raum. Heute existieren über 20 aktive Nachfolgeprogramme.
Das we-Female-Founders-Programm (dena/Siemens Energy/Plug and Play) war ein kostenloses Online-Mentoring für gründungsinteressierte Frauen mit Fokus auf Energie, Nachhaltigkeit und Deep-Tech. Heute bieten die Bundesweite Gründerinnenagentur, UnternehmerTUM, EXIST und private Acceleratoren vergleichbare Formate an. Entscheidend beim Mentoring-Programm: die Qualität des Mentors, nicht die Marke des Programms. 3–6 Monate sind der effektive Zeitrahmen für messbaren Fortschritt.
Was war das we-Female-Founders-Programm?
Das we-Female-Founders-Programm war ein kostenloses, strukturiertes Online-Mentoring für Frauen mit Gründungsinteresse im Energie- und Nachhaltigkeitsbereich. Es wurde von der Deutschen Energie-Agentur (dena), Siemens Energy und dem globalen Startup-Accelerator Plug and Play initiiert.
Das Programm lief in 3–4 Kohorten à 20–30 Teilnehmerinnen. Jede Kohorte erhielt Zugang zu einem Netzwerk von Referentinnen und Mentorinnen aus der Energiebranche, zu Pitch-Training, Businessplan-Feedback und Investor-Verbindungen über das Plug-and-Play-Netzwerk.
Die Zielgruppe: Frauen in der frühen Gründungsphase mit Fokus auf erneuerbare Energien, Energie-Effizienz, CleanTech und nachhaltige Mobilität. Das Programm war bewusst sektoriell — kein generelles Gründerinnen-Coaching, sondern thematisch auf die Energiewende ausgerichtet.
Das dena-Engagement im Female-Founders-Bereich spiegelte den strategischen Ansatz der Bundesregierung wider, Frauen als Innovationsträgerinnen der Energiewende zu positionieren. Laut dena-Daten waren zum Zeitpunkt des Programms unter 15 % der Führungspositionen in deutschen Energieunternehmen mit Frauen besetzt — ein Ansporn, die Pipeline an weiblichen Gründerinnen im Sektor gezielt zu stärken.
Das Besondere am we-Female-Founders-Format war nicht das Mentoring an sich, sondern die Kombination aus Industriezugang (dena + Siemens Energy als Türöffner zu etablierten Energieunternehmen) und globalem VC-Netzwerk (Plug and Play mit Büros in 50 Ländern). Für CleanTech-Gründerinnen ist genau diese Kombination schwer zu replizieren — die meisten allgemeinen Mentoring-Programme bieten entweder Industrienähe oder Investor-Zugang, selten beides gleichzeitig.
Welche Mentoring-Programme für Female Founders gibt es heute im DACH-Raum?
Nach dem Auslaufen des we-Female-Founders-Programms haben 6 institutionelle und 4 private Formate vergleichbare Angebote entwickelt:
Institutionelle Programme (kostenfrei oder gefördert):
1. Bundesweite Gründerinnenagentur — Mentoring-Matching (bga.de): Individuelles Mentoring-Matching für Gründerinnen in jeder Phase. Kostenlos. Matching nach Branche, Region und Gründungsphase. Kontakt über bga.de/mentoring.
2. UnternehmerTUM — Female Founder Program (unternehmertum.de): Das Münchner Innovations- und Gründungszentrum (TU München) bietet ein jährliches Female-Founder-Programm mit Coaching, Netzwerk und Investor-Access. Bewerbungsverfahren, kostenlos für Teilnehmerinnen.
3. EXIST-Gründerstipendium — Mentoring-Komponente (exist.de): Jede EXIST-geförderte Gründung erhält einen Mentor aus dem Hochschul-Netzwerk. Kein eigenständiges Female-Founder-Programm, aber Frauen in EXIST-Projekten sind durch die 2021 eingeführte Gender-Quote in der Antragsprüfung bessergestellt.
4. Female Founders — Austria (femalefoundersprogram.at): Österreichisches Pendant mit Fokus auf Tech-Gründungen. Staatlich kofinanziert, kostenlos, 6 Monate Laufzeit.
5. Gründerinnen-Coachingprogramm Bayern (stmwi.bayern.de): Spezifisches Coachingprogramm des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für Gründerinnen. Bis zu 5 Coachingeinheiten kostenlos.
6. Swiss Accelerator — Female Track (venturelab.ch): Schweizer Startup-Förderung mit explizitem Female-Track. Zugang zu Venture Kick (bis 150.000 CHF) und breitem Mentorinnen-Netzwerk.
Private Programme (kostenpflichtig oder Equity-basiert):
7. Startup Bootcamp — Female Founders (startupbootcamp.org): Europäisches Accelerator-Programm mit Female-Founder-Fokus in ausgewählten Kohorten. Equity-basiert (5–8 % Unternehmensanteile).
8. APX — Axel-Springer-Portfolio (apx.ac): Berliner Early-Stage-Accelerator mit aktivem Diversity-Tracking. Kein reines Female-Programm, aber nachweislich über 40 % weibliche Gründerinnen in Kohorten.
9. Visa She’s Next (visashenext.com): Globales Visa-Programm für Female Founders mit Mentoring, Stipendien (bis 10.000 USD) und Netzwerk. Bewerbung jährlich.
10. WomenInTech Accelerator (womenintech.com/accelerator): Spezialisierter Tech-Accelerator für Gründerinnen im DACH-Raum. 12 Wochen, remote, kostenlos.
Was unterscheidet ein gutes von einem schlechten Mentoring-Programm?
Ein gutes Mentoring-Programm für Female Founders erfüllt 5 Qualitätskriterien, die Schein-Angebote nicht erfüllen.
Kriterium 1 — Mentor-Qualität: Der Mentor oder die Mentorin muss selbst gegründet oder in einer Führungsposition mit Gründungserfahrung tätig gewesen sein. Theoretisches Fachwissen ohne operative Erfahrung ist im Mentoring wenig nütze.
Kriterium 2 — Branchenrelevanz: Branchen-Cross-Mentoring funktioniert bei allgemeinen Themen (Leadership, Pricing, Teaming), nicht bei spezifischen Markt- oder Regulierungsfragen. Eine CleanTech-Gründerin profitiert von einer Mentorin aus der Energiebranche — nicht aus der Modeindustrie.
Kriterium 3 — Struktur: Regelmäßige 1:1-Sessions (mindestens 1× pro Monat), klare Zielsetzung für die Laufzeit, schriftliches Mentoring-Agreement mit beidseitigen Erwartungen.
Kriterium 4 — Netzwerk-Öffnung: Das Programm öffnet Türen, die die Gründerin allein nicht öffnen könnte — zu Investorinnen, Pilot-Kundinnen, Key Experts oder Kooperationspartnerinnen.
Kriterium 5 — Zeitrahmen: 3–6 Monate sind der empirisch belegte effektive Zeitrahmen. Programme unter 8 Wochen sind zu kurz für Verhältnisaufbau. Programme über 12 Monate verlieren oft an Intensität.
Schein-Kriterien, die kein Indikator für Qualität sind: Bekanntheitsgrad des Programms, Anzahl der Alumni, prominente Träger-Organisationen ohne operative Beteiligung.
Wie bewirbt man sich erfolgreich für ein Mentoring-Programm?
Bewerbungen für Mentoring-Programme folgen einem einheitlichen Bewertungsschema aus 4 Komponenten: Gründungsidee, Founder-Persönlichkeit, Team (bei Teamgründungen) und Programm-Fit.
Gründungsidee: Konkret und validiert — keine vagen Visionen. „Wir bauen eine App“ ist unzureichend. „Wir haben 50 Pilotnutzerinnen und 3 zahlende Kunden in 8 Wochen gewonnen“ ist überzeugend.
Founder-Persönlichkeit: Programme suchen Gründerinnen mit nachweisbarer Resilienz und Lernbereitschaft. Konkretes Beispiel für eine überwundene Hürde ist stärker als allgemeines Selbstlob.
Team: Bei Sologründerinnen: Nachweis, dass fehlende Kompetenzen durch Netzwerk, Advisory Board oder geplante Co-Founderin kompensiert werden.
Programm-Fit: Jede Bewerbung muss erklären, warum dieses spezifische Programm — nicht irgendein Mentoring-Angebot — zur aktuellen Gründungsphase passt. Generische Bewerbungen werden aussortiert.
💬 Meine Einschätzung
Die gängige Annahme ist: Ein gutes Mentoring-Programm macht den Unterschied zwischen Scheitern und Erfolg. In der Praxis zeigt sich: Es ist nicht das Programm, das entscheidet — es ist die Qualität der Fragen, die die Gründerin in jede Session mitbringt. Mentorinnen und Mentoren können Türen öffnen und Erfahrungen teilen — aber sie können keine Entscheidungen treffen. Gründerinnen, die aus Mentoring-Gesprächen mit 3 konkreten To-dos herausgehen, die sie in der Folgewoche umsetzen, bauen 2× schneller als Gründerinnen, die primär zuhören. Das we-Female-Founders-Programm hat das richtig gemacht: konkrete Meilensteine pro Kohorte, nicht offene Gesprächsrunden. Das ist der Standard, an dem sich jedes Mentoring-Angebot messen lassen sollte.
- we-Female-Founders: dena + Siemens Energy + Plug and Play — CleanTech-Mentoring mit Industriezugang + VC-Netzwerk
- 10 aktive Nachfolge-Programme im DACH-Raum — 6 kostenlos, 4 privat/Equity-basiert
- 5 Qualitätskriterien: Mentor-Erfahrung, Branchenrelevanz, Struktur, Netzwerk-Öffnung, 3–6 Monate Laufzeit
- Bewerbungs-Erfolgsfaktoren: validierte Idee, konkrete Hürde überwunden, Programm-Fit erklärt
- Effektiv: 3 To-dos pro Session mit konkretem Umsetzungsdatum — nicht passives Zuhören
Häufige Fragen zu Mentoring-Programmen für Female Founders
Wie lange dauert ein typisches Mentoring-Programm?
3–6 Monate sind der effektive Standardrahmen. Kürzere Programme (unter 8 Wochen) ermöglichen keinen ausreichenden Beziehungsaufbau. Längere Programme (über 12 Monate) verlieren oft an Intensität, weil der Fokus diffus wird.
Sind Mentoring-Programme für frühe Gründungsphasen oder spätere Phasen geeignet?
Beide Phasen profitieren, aber aus unterschiedlichen Gründen. Frühe Gründerinnen (Ideen-/MVP-Phase) profitieren von Validierungsfeedback und Netzwerkzugang. Spätere Gründerinnen (Wachstumsphase) profitieren von konkreter Skalierungserfahrung und Investoren-Zugang.
Kann ich mehrere Mentoring-Programme gleichzeitig nutzen?
Technisch ja — strategisch nein. Zwei parallele Programme führen zu Interessenskonflikten bei der Zeitverwendung und verwässern den Fokus. Ein Programm vollständig abschließen, dann das nächste beginnen.
Was passiert, wenn der Mentor oder die Mentorin nicht passt?
Seriöse Programme bieten nach der ersten Session einen Wechsel an. Diesen aktiv einfordern, wenn der Fit nach 2 Sessions nicht stimmt — besser früh wechseln als 6 Monate eine Beziehung ohne Mehrwert aufrechterhalten.
Quellen und weiterführende Literatur
- Deutsche Energie-Agentur (dena) — Female Founders Initiative · dena.de · Hintergrundinformationen zum ursprünglichen we-Female-Founders-Programm und Gründerinnen-Engagement der dena
- Bundesweite Gründerinnenagentur — Mentoring · bga.de · Kostenloser Mentoring-Matching-Service für Gründerinnen im DACH-Raum
- UnternehmerTUM — Female Founder Program · unternehmertum.de · Jahresprogramm für Female Founders am TU-München-Ökosystem
- EXIST — Gründerstipendium · exist.de · Bundesgeförderte Gründungsförderung mit Mentoring-Komponente für Hochschul-Ausgründungen
- Plug and Play Tech Center · plugandplaytechcenter.com · Globales Accelerator-Netzwerk, Co-Initiator des we-Female-Founders-Programms
